Text von Karin Hofmann
in: diemelange. Das Magazin für Wiener Alltagskultur.
08 FL. OZ: 09. 04 ml

Was haben Wien und Damaskus gemeinsam, außer dass sie 2.330 Kilometer von einander trennen? Diesen Fragen geht die junge Grafikdesignerin Angelika Mathis mit ihrem Kalenderbuch "365 damaskuswien" auf subtile Weise auf den Grund und ermöglicht damit auch uns eine Grenzerfahrung der anderen Art.

Das Kalenderbuch "365 damaskuswien" ist ein interkulturelles Jahrbuch, das im Rahmen des "Transfer Projektes Damaskus" entstanden ist. Dieses 2001 an der Angewandten in Wien initiierte Projekt ermöglichte es der damaligen Studentin Angi Mathis, im wahrsten Sinne ihre Grenzen zu überschreiten. Das Projekt bot ihr zum ersten Mal Einblicke in die syrische Kultur und den arabischen Raum. Ein Reiseziel, das - wie sie selbst sagt - nicht "ganz oben auf der Liste ihrer Wunschdestinationen" stand; etwas, das sie heute nicht mehr versteht.

Während eines halben Jahres Vorbereitungszeit mit Vorträgen, Seminaren zu verschiedenen Themen wie Nomadismus, Urbanität und vielem mehr sowie einem fünfwöchigen Arbeitsaufenthalt in Damaskus entwickelte Mathis die Idee, ein arabisch-deutsches Kalenderbuch zu gestalten, das Jugendliche (und andere Interessierte) beider Kulturen ein Jahr lang im Alltag begleiten soll.

Nicht nur Lesebuch sondern auch Kalender, tritt der "Zwitter" als ständiger Gefährte mit seinem Benutzer in einen Dialog, der von der Künstlerin auf dreifache Weise initiiert wird: Erstens auf grafischer Ebene - jedes Monat beginnt mit zwei grafischen Elementen, jeweils in Deutsch und Syrisch, die sich gegenseitig ergänzen und gemeinsam etwas Neues bilden; zweitens durch stimmungsvolle Fotos der beiden Städte Wien und Damaskus von Cem Yücetas und drittens durch Textbeiträge kulturschaffender Österreicher und Syrer wie Barbara Albert, Colette Bahna, Nikolaus Gansterer oder Nabil Maleh, die in Kapiteln wie "Alltägliches", "Lesezeichen" oder "Tagträume" ihre unterschiedlichen Lebenswelten auf erzählerische Weise dem Leser näher bringen. Die drei Ebenen bilden schließlich den Ausgangspunkt für den Benutzer, den Kalender in der Art eines Tagebuches aktiv in seinen Alltag zu integrieren und durch Geschichten aus der eigenen Lebenswelt zu erweitern und damit eine vierte, ganz individuelle Dimension zu eröffnen.

Für Angi Mathis haben sich mit der Umsetzung ihres Projektes Grenzen verändert - eine Erfahrung, die sie mit ihrem Kalenderbuch weitergeben möchte. Sie selbst war erstaunt, wie oft sie mit eigenen Vorurteilen konfrontiert wurde und wie wenig Information man über andere Kulturen, speziell aus dem arabischen Raum, hat. Doch sie ist sich sicher: "Jedes Mal, wenn man in eine andere Kultur kommt, erweitern sich die Grenzen des eigenen Horizonts. Man lernt neue Dinge kennen und verstehen, die man vorher vielleicht nur oberflächlich betrachtet und nicht verstanden hat." Seit diesem Jahr kann man den Kalender kaufen, im Herbst 2004 kommt er an österreichische und syrische Schulen. Es bleibt zu hoffen, dass das Angebot, das Angi Mathis mit diesem Kalender macht, auch reichlich genutzt wird.

Angelika Mathis stammt aus Vorarlberg. Sie studierte Grafikdesign an der Universität für Angewandte Kunst in Wien mit Studienaufenthalt in London. Mehr zu "365 damaskuswien" unter www.damaskuswien.net


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